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Medizinprodukte-Aufbereitung in der Arztpraxis: Wasser und Chemikalien – was ist zu beachten?

Medizinprodukte richtig aufbereiten: Worauf es bei Wasser und Chemikalien ankommt

Einleitung: Saubere Sache oder unterschätztes Risiko?

Ob Lupenbrille, Körperwaage oder chirurgisches Instrument – Medizinprodukte sind Alltag in jeder Arztpraxis. Was viele unterschätzen: Diese Produkte müssen nicht nur korrekt angewendet, sondern auch fachgerecht aufbereitet werden. Dabei spielt nicht nur die Reinigung an sich eine Rolle, sondern auch, w welches Wasser und welche Chemikalien verwendet werden.

Fehler in der Aufbereitung können gravierende Folgen haben – für die Patientensicherheit, die Einhaltung von Hygienevorgaben und nicht zuletzt den rechtlichen Rahmen, in dem sich jede Praxis bewegt. Dieser Beitrag beleuchtet praxisnah, worauf es insbesondere beim Einsatz von Wasserqualitäten und chemischen Reinigungsmitteln ankommt.

Hintergrund: Warum ist die richtige Aufbereitung so wichtig?

Die Aufbereitung von Medizinprodukten umfasst Reinigung, Desinfektion, ggf. Sterilisation und Pflege. Die Ziele sind:

  • Entfernung sichtbarer und unsichtbarer Verschmutzungen
  • Inaktivierung potenzieller Krankheitserreger
  • Funktionssicherung des Produkts
  • Erfüllung gesetzlicher Hygieneanforderungen

Seit Inkrafttreten der Medizinprodukte-Betreiberverordnung (MPBetreibV) und der KRINKO-Empfehlungen ist klar geregelt, wie Medizingeräte und -instrumente aufzubereiten sind. Dabei gelten insbesondere Wasser und Chemikalien als kritische Faktoren – sie können den Erfolg der Aufbereitung fördern oder behindern.

Wasserqualität in der Medizinprodukte-Aufbereitung

Warum Wasser nicht gleich Wasser ist

Wasser ist bei der Aufbereitung mehr als nur ein Spülmedium – es kann entscheidend für den Erfolg oder Misserfolg der Reinigung sein. Ob Reinstwasser, VE-Wasser oder Trinkwasser: Die Wahl des richtigen Typs richtet sich nach dem Prozess und dem Medizinprodukt.

Arten von Wasser im Überblick

Wasserart Eigenschaften Einsatzgebiet
Trinkwasser Enthält Mineralien, Keime möglich Vorreinigung, Grobreinigung
Weichwasser Entkalkt, reduziert Mineralien Spülgänge, thermische Prozesse
VE-Wasser Vollentsalzt, keine Mineralien Letzte Spülgänge zur Fleckenvermeidung
Reinstwasser Hochrein, keim- und partikelfrei Sterilbereiche, Labor, empfindliche Geräte

Praxis-Tipp: Für die abschließende Spülung empfiehlt sich der Einsatz von VE-Wasser, damit keine Rückstände das Desinfektions- oder Sterilisationsergebnis gefährden.

Typische Wasserprobleme in der Praxis

  • Kalkrückstände: Hartes Leitungswasser kann Instrumente beschädigen.
  • Mikrobielle Kontamination: Bei stagnierendem oder unkontrolliertem Wasser möglich.
  • Korrosion: Durch ionenhaltiges Wasser im Spülprozess.

KRINKO empfiehlt: Wasserqualität regelmäßig kontrollieren und dokumentieren.

Chemikalien in der Medizinprodukte-Aufbereitung

Desinfektions- und Reinigungsmittel: Viele Mittel, viele Unterschiede

In der ärztlichen Praxis kommen vor allem chemothermische Prozesse zum Einsatz – also eine Kombination aus chemischen Wirkstoffen und Hitze. Dabei werden verschiedene Chemikalien benötigt:

  • Reinigungsmittel: Entfernen organische Verschmutzungen wie Blut oder Eiweiße
  • Desinfektionsmittel: Inaktivieren Mikroorganismen
  • Neutralisationsmittel: Entfernen Rückstände anderer Mittel
  • Pflegemittel: Schützen das Gerät vor Korrosion

Wichtig: Nicht jedes Mittel ist für jedes Produkt geeignet. Materialverträglichkeit und Herstellerfreigabe müssen beachtet werden.

Auswahlkriterien für chemische Mittel

Bei der Auswahl der Reinigungs- und Desinfektionsmittel sind folgende Punkte relevant:

  1. Herstellerangaben: Nur empfohlene Mittel verwenden.
  2. Wirkspektrum & Einwirkzeit: Muss zum Reinigungsziel passen.
  3. Kompatibilität mit Geräten: Besonders wichtig bei RDG (= Reinigungs-Desinfektionsgeräte).
  4. Zulassung & Listung: z. B. VAH- oder RKI-Listung beachten.

Fehlerquellen im Umgang mit Chemikalien

Fehlerquelle Auswirkung
Falsche Dosierung Unter- oder Überkonzentration – unzureichende Wirkung oder Materialschäden
Nicht geprüfte Mittel Ungewisse Wirksamkeit oder Verträglichkeit
Falsche Lagerung Wirkverlust, Gefahr chemischer Reaktionen
Inkompatible Kombinationen Bildung toxischer Dämpfe oder Ausfällungen

Praxis-Tipp: Die richtige Konzentration chemischer Mittel muss regelmäßig überprüft und dokumentiert werden – ein zentraler Punkt der Validierung.

Validierung und Dokumentation – rechtliche Pflichten

Was bedeutet Validierung?

Validierung bedeutet, dass sichergestellt wird: Die Aufbereitung liefert immer ein reproduzierbar sicheres Ergebnisunabhängig vom Mitarbeiter oder Tagesform. Laut MPBetreibV ist dies Pflicht bei:

  • Endoskopen
  • Chirurgischen Instrumenten
  • Ultraschallsonden (vaginal/rekto)

Auch die eingesetzten Wasserqualitäten und Chemikalien sind im Validierungsprozess zu berücksichtigen.

Dokumentationspflichten

Folgende Informationen sind zu dokumentieren:

  • Datum, Uhrzeit, verantwortliche Person
  • Verwendetes Wasser / Wasserqualität
  • Verwendete Chemikalien inkl. Konzentration und Chargennummer
  • Zeit- und Temperaturparameter (bei maschineller Aufbereitung)
  • Sichtprüfung auf Sauberkeit und Unversehrtheit

Wichtig: Die Dokumentation muss jederzeit nachvollziehbar archiviert sein.

Beispiel aus der Praxis: Fehlerhafte Wasserqualität

Eine Facharztpraxis stellt vermehrte Korrosionsschäden an OP-Instrumenten fest. Die Analyse ergibt: Beim letzten Spülgang wurde kein VE-Wasser, sondern hartes Leitungswasser genutzt. Die Rückstände führten zu Rostpunkten und verringerter Sterilität.

Lösung: Installation einer Wasseraufbereitung mit VE-Einheit sowie regelmäßige Kontrolle der Wasserhärte.

Fazit: Sicherheit beginnt bei Wasser und Reiniger

Die sachgerechte Aufbereitung von Medizinprodukten ist kein notwendiges Übel, sondern ein zentraler Hygienebaustein jeder Arztpraxis. Sie schützt Patient:innen vor Infektionen und bewahrt die Praxis vor rechtlichen Problemen.

Kernpunkte im Überblick:

  • Wasserqualität beeinflusst das Reinigungsergebnis maßgeblich.
  • Chemikalien müssen produktspezifisch ausgewählt und dosiert werden.
  • Prozesse validieren und dokumentieren ist Pflicht.
  • Fehler führen zu Materialschäden und Sterilisationsproblemen.

Handlungsempfehlungen für die Praxis

  1. Wasserqualität prüfen: VE-Wasser für letzte Spülgänge verwenden.
  2. Mittel abstimmen: Nur herstellerfreigegebene Produkte nutzen.
  3. Geräte warten: RDG & Co. regelmäßig überprüfen lassen.
  4. Validierung durchführen: Besonders bei maschinellen Verfahren verpflichtend.
  5. Mitarbeiter schulen: Richtige Handhabung muss bekannt sein.

Sie möchten auf Nummer sicher gehen? Ziehen Sie professionelle Hygieneberater oder Validierungspartner hinzu – für mehr Qualität, Sicherheit und Effizienz im Praxisalltag.

Zusammenfassung: Die richtige Auswahl und Anwendung von Wasser und chemischen Reinigungsmitteln ist entscheidend für die sichere und gesetzeskonforme Aufbereitung von Medizinprodukten. Mit bewusstem Vorgehen und regelmäßiger Kontrolle lassen sich Fehlerquellen effektiv vermeiden.

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